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Lohnfaktor Friseur: Wie viel Umsatz brauchen Ihre Mitarbeiter?

Lohnfaktor Friseur Umsatz Mitarbeiter

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Kennen Sie den Lohnfaktor Ihres Friseursalons? Wissen Sie, wie viel Umsatz ein Mitarbeiter in Ihrem Friseursalon erarbeiten muss, um für Sie rentabel zu sein?

Na klar wissen Sie das! Weiß doch jeder: Es ist das 3-fache des Bruttolohnes, das 4-fache, oder das 5-fache… Suchen Sie sich einfach irgendeinen Lohnfaktor aus! Wird schon stimmen! 😉 Entschuldigen Sie bitte die Ironie, aber es soll nicht wenige Friseure geben, die das wirklich so machen.

Ein Leben ohne Lohnfaktor

“Ach, immer diese Rechnerei! Schön, dass man als Friseur nicht rechnen muss.” Diese Denke ist leider allgegenwärtig in unserer Branche. Die meisten Friseure arbeiten einfach drauflos, ohne zu planen, ohne zu kalkulieren, ohne zu kontrollieren.

Sie schauen sich ihre Preise vom Nachbarsalon ab, zahlen ortsübliche Löhne und glauben an altertümliche Faustregeln – So auch an einen Lohnfaktor, der für alle Salons gleichermaßen gilt. Und so sieht dann vielfach auch die Realität aus:

In vielen Salons reicht der Überschuss, den die Mitarbeiter erarbeiten, gerade um die Fixkosten des Salons zu decken. Einen Gewinn erwirtschaften diese Mitarbeiter nicht. Für den Inhaber bleibt nicht einmal sein eigener Umsatz als Gewinn übrig. Fällt der Unternehmer einmal als Umsatzbringer aus, so hat er plötzlich gar keinen Gewinn mehr und wundert sich.

Doch es geht noch “besser”: In so manchem Salon erarbeiten die Mitarbeiter knapp ihren eigenen Lohn. Im schlimmsten Fall schuftet der Saloninhaber für den Lohn seiner Mitarbeiter mit – und weiß das noch nicht einmal!

Der falsche Lohnfaktor kostet Sie Ihr Geld!

Das passiert nämlich, wenn Sie mit einem falschen Lohnfaktor rechnen. Wir veranschaulichen Ihnen die Folgen dieses Rechenfehlers in diesem kleinen Beispiel:

Nehmen wir an, Sie zahlen einem Mitarbeiter einen Bruttolohn von € 1500,- monatlich. Sie haben gehört, dass man beim Lohnfaktor über den Daumen peilen kann. Also gehen Sie pauschal von einem üblichen Lohnfaktor von 3,5 aus. Ihr Mitarbeiter müsste also das 3,5-fache seines Bruttolohnes, also mindestens € 5250,- an Umsatz machen.

Weil Sie aber nicht gerechnet haben, wissen Sie nicht, dass der Lohnfaktor Ihres eigenen Salons in Wirklichkeit bei 4,5 liegt. Eigentlich müsste Ihr Mitarbeiter also mindestens das 4,5-fache seines Bruttolohnes, also € 6750,- an Umsatz erarbeiten, um für Sie rentabel zu sein.

Die Differenz von minus € 1500,- müssen Sie jeden Monat von Ihrem eigenen Umsatz als Saloninhaber abgeben, um dem Mitarbeiter seinen Lohn zu subventionieren. Das sind € 18.000,00 Nasse im Jahr! Hätten Sie gedacht, dass ein falscher Lohnfaktor so teuer sein kann?

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Wenn schon Mitarbeiter, dann mit Gewinn!

Wir brauchen doch unsere Mitarbeiter! Schließlich kann man als Saloninhaber ja nicht stets und ständig selbst für den nötigen Umsatz im Salon sorgen. Aber macht es Sinn, Mitarbeiter zu beschäftigen, nur damit immer jemand im Laden steht? Ist es okay, Mitarbeiter dafür zu beschäftigen, dass sie gerade mal ihren eigenen Lohn erarbeiten?

“Definitiv Nein!”, sagt Peter Lehmann. Er ist Friseurmeister, Betriebswirt und ein echter Zahlenexperte was Friseursalons angeht. “Auch die Mitarbeiter müssen Gewinne für den Friseursalon erwirtschaften!”, meint der Unternehmenstrainer, “Anderenfalls stünde das Unternehmen auf wackligem Fundament.” Er rät deshalb jedem Saloninhaber dazu, den tatsächlichen Lohnfaktor seines eigenen Salons zu berechnen!

Der Lohnfaktor ist eine wichtige Kennzahl Ihres Salons.

Lehmann warnt: “Es gibt keinen allgemeingültigen Wert für den Lohnfaktor im Friseurhandwerk. Allenfalls gibt es einen Erfahrungswert, aber der trifft bei Weitem nicht für alle Salons zu. Allein schon die individuell abweichende Höhe der Salonmiete kann die Gültigkeit eines pauschalen Lohnfaktors völlig über den Haufen werfen.

Vorsicht! Mit dem falschen Lohnfaktor zu rechnen, führt immer zu falschen Ergebnissen und damit zu falschen Entscheidungen in der eigenen Lohnpolitik! Darum sollte jeder Chef den tatsächlichen Lohnfaktor mit den Zahlen seines Salons errechnen!”

Wie das geht, erklärt Peter Lehmann uns nun in diesem Beitrag. Für unsere Mitglieder gibt es zusätzlich eine ausführliche Anleitung zur Berechnung des Lohnfaktors anhand der Zahlen eines realen Friseursalons. Lesen Sie dazu unsere Praxis-Anleitung: “Wie Sie den Lohnfaktor Ihres Friseursalons selbst errechnen”!

Mit Durchblick zu mehr Gewinn im Friseursalon!

Ein Interview mit Peter Lehmann,

Betriebswirt (HWK),

Friseurmeister,

Trainer,

Management-Berater

http://www.unternehmenstraining.com/

Warum sind Zahlen so wichtig?

Guido Scheffler: “Wie wichtig sind eigentlich die Zahlen unseres Salons für uns Friseure, Peter?”

Peter Lehmann: “Ich kenne Saloninhaber, die von früh bis spät arbeiten. Der Salon ist eigentlich immer (gefühlt) gut besucht. Dennoch reicht es am Monatsende nicht hinten und nicht vorne. Es bleibt einfach zu wenig für den Inhaber selbst übrig. Obwohl die BWA Gewinn ausweist, kommen sie auf keinen grünen Zweig.”

Guido Scheffler: “Woran liegt das nach deiner Erfahrung?”

Peter Lehmann: “Viele Friseure sehen sich selbst lieber als Künstler am Haar des Kunden, statt als echte Unternehmer. Die wollen einfach nicht rechnen! Die machen die Augen zu und denken: „Es wird schon gut gehen.“ Oder sie peilen schnell mal über den Daumen. Es gibt auch andere, die rechnen wollen, aber nicht wissen, wie es richtig geht.

Doch wer falsch kalkuliert, der zieht aus seinen Ergebnissen natürlich die falschen Schlüsse. Wer gar nicht kalkuliert, kann nicht einmal irgendwelche Schlüsse ziehen. Der kann nur Vermutungen anstellen oder Bauchentscheidungen treffen. Und das ist sehr gefährlich – ja sogar bedrohlich – für die eigene Existenz!”

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Einfache Kennzahlen für Haar-Profis

Guido Scheffler: “Zum Glück können Friseure das richtige Rechnen in deinen Seminaren ja erlernen. Welche Kennzahlen sind für uns Friseure denn wichtig, um lohnpolitisch richtige Entscheidungen zu treffen?”

Peter Lehmann: “Kennzahlen wie Soll-Umsatz und Lohnfaktor helfen uns Friseuren dabei, gewinnbringend zu planen und zu führen. Sie sind wertvolle Entscheidungshilfen und dienen uns zur Zielsetzung.

Bei den Mitarbeitern sorgen diese Kennzahlen für Klarheit, ab welchem Umsatz sie wirklich gut sind. Deshalb sind sie auch ein wirksames Argument in Lohnverhandlungen.

Immer wieder erlebe ich, dass Friseure zu wenig darüber wissen, welche Umsätze Mitarbeiter erwirtschaften müssen. Aber das müssen Unternehmer einfach wissen! Es geht schließlich um den eigenen Geldbeutel!”

Guido Scheffler: “Welche Bedeutung misst du dabei konkret dem Lohnfaktor zu?”

Peter Lehmann: “Mitarbeiter sollten die Bedeutung ihrer eigenen Umsatzverantwortung kennen. Nach meiner Erfahrung gehen die meisten Gesellen sonst nämlich davon aus, dass der Inhaber im Geld schwimmt und sie als Arbeitnehmer ohnehin nur mit einem Hungerlohn abgespeist werden. Ohne Verständnis für die Zahlen des Salons kann eben keine echte Motivation entstehen!

Ein leistungsbereites Team können wir Friseure nur dann gewinnen, wenn wir ein gesundes Bewusstsein der Mitarbeiter für die Wichtigkeit ihres eigenen Umsatzes im Unternehmen erzeugen. Diesen Zusammenhang zwischen dem eigenen Lohn und dem dafür erforderlichen Umsatz bringt der Lohnfaktor auf den Punkt!”

Lohnfaktor und Soll-Umsätze berechnen

Guido Scheffler: “Da es keinen pauschalen Lohnfaktor für das Friseurhandwerk gibt, muss er für jeden Salon errechnet werden. Wie erklärst du den Teilnehmern deiner Seminare die Berechnung des Lohnfaktors im eigenen Salon? Und wie werden daraus die Soll-Umsätze für die Mitarbeiter ermittelt?”

Peter Lehmann: “Um einen besseren Überblick über die nötigen Schritte der Berechnung zu geben, zähle ich diese als erstes einmal auf. In diesen vier Schritten geht der Rechenweg im Groben und Ganzen vonstatten:

  1. Jahres-Soll-Umsatz des Salons planen und berechnen
  2. Berechnung des monatlichen Soll-Umsatzes des Salons
  3. Ermittlung des Lohnfaktors im eigenen Salon
  4. Monats- und Tages-Soll-Umsätze für die Mitarbeiter errechnen
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Schritt 1: Berechnung des Jahres-Soll-Umsatzes des Friseursalons

Zunächst einmal mache ich meinen Seminar-Teilnehmern klar, dass auch sie als Unternehmer ein Ziel haben müssen. Die Vergangenheit ist ja bekannt – Die steht schwarz auf weiß in der BWA. Aber was ist mit der Zukunft? Wir wollen uns doch Schritt für Schritt verbessern! Also sollten wir die zukünftigen Zahlen in unsere Berechnung einfließen lassen.

Viele Chefs planen in ihrer Kalkulation den eigenen Unternehmerlohn nicht konsequent mit ein. Nach meiner Ansicht sollte sich jeder Inhaber aber zunächst einmal Gedanken machen, wie viel er selbst verdienen will!

Ausgehend von diesen Überlegungen wird im ersten Schritt der Soll-Umsatz des gesamten Salons errechnet. Der Soll-Umsatz ist der Umsatz, welcher in einem Jahr im Salon erwirtschaftet werden muss, um eine gesunde Basis zu erreichen. Es ist der Mindestumsatz, den der Salon zur Deckung aller Kosten und der Privatentnahme des Unternehmers braucht.

Jeder Salon hat dabei eine ganz eigene Kostenstruktur. Der Soll-Umsatz muss also individuell berechnet werden. Ein Salon in einer Top-Mietlage und mit gehobenem Service wird in der Regel einen wesentlich höheren Soll-Umsatz brauchen als ein Betrieb mit geringer Ladenmiete und niedrigeren Kosten.

Der Soll-Umsatz setzt sich also zusammen aus Gemeinkosten, Personalkosten, Wareneinsatz und dem geplanten Gewinn.

Schritt 2: Berechnung des monatlichen Soll-Umsatzes

Im Schritt 2 muss der zu erwirtschaftende Brutto-Soll-Umsatz pro Monat berechnet werden. Hierbei müssen unbedingt die Abwesenheitstage der Mitarbeiter berücksichtigt werden! Sie können also nicht einfach das Jahres-Soll durch 12 Monate teilen. Das wäre ein grober Fehler!

Man geht vielmehr davon aus, dass jeder Mitarbeiter nach Abzug von Urlaub und Krankheitstagen durchschnittlich 10 Monate pro Jahr (an circa 210 Arbeitstagen) arbeitet. Das heißt, die Mitarbeiter haben eigentlich nur 10 Monate Zeit, den Jahres-Soll-Umsatz zu erarbeiten. Also muss der Jahres-Soll-Umsatz folglich durch die Zahl 10 geteilt werden.

Im Ergebnis dieses Rechenschrittes steht nun ein rechnerischer Monatsumsatz des Salons. Achtung! Dieser Monatsumsatz ist nicht der zu erreichende Monatsumsatz in jedem Monat, denn er basiert nur auf 10 Monaten!

Schritt 3: Berechnung des Lohnfaktors im eigenen Salon

Dieser rechnerische Monatsumsatz wird nun geteilt durch die monatliche Bruttolohnsumme aller Mitarbeiter, die den Umsatz erwirtschaften sollen. Das Ergebnis ist der individuelle Lohnfaktor Ihres eigenen Salons. Dieser liegt oft zwischen 3 und 4, kann aber – je nach Kostensituation – auch darunter oder darüber liegen.

Doch Vorsicht! Hier passiert häufig ein Rechenfehler: Es darf nicht das gesamte Personal in die Rechnung einbezogen werden! Auszubildende, Rezeptionisten und Aushilfskräfte ohne eigenen Kundenstamm gehören nicht zu den Mitarbeitern, die das geplante Umsatzziel erarbeiten sollen. Deren Lohn gehört also nicht in die zur Berechnung verwendete Lohnsumme hinein. (Falls Azubis oder Rezeptionisten auch einen eigenen Umsatz machen sollen, müsste man die Rechnung anpassen.)

Lohnfaktor Friseur Umsatz Mitarbeiter

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Schritt 4: individuelle Monats- und Tages-Soll-Umsätze der Mitarbeiter berechnen

Wir kennen nun also den Lohnfaktor unseres eigenen Salons. Diesen können wir bereits dazu nutzen, den individuellen Monats-Soll-Umsatz für jeden Mitarbeiter zu ermitteln.

Hierzu multiplizieren wir einfach den durchschnittlichen Brutto-Monatslohn jedes Mitarbeiters mit dem Lohnfaktor. Nun wissen wir, welchen Monatsumsatz jeder Mitarbeiter mindestens schaffen müsste, damit wir unser oben festgelegtes Ziel erreichen.

Wenn wir nun den monatlichen Soll-Umsatz der einzelnen Mitarbeiter durch 21 Arbeitstage pro Monat teilen, erhalten wir den zur Zielerreichung erforderlichen Tages-Soll-Umsatz für jeden einzelnen Mitarbeiter.

Beispiel 1:

Eine Friseurin, die € 1.500 brutto verdient, müsste bei Lohnfaktor 3 also mindestens einen durchschnittlichen Monatsumsatz von € 4.500,- erzielen (1500 x 3 = 4500). Geteilt durch 21 Arbeitstage ergibt das dann ein Tages-Soll von € 214,- für jeden Anwesenheitstag (4500 : 21 = 214,29). Urlaub und Krankheit sind dort bereits pauschal eingerechnet.

Beispiel 2:

Bei Lohnfaktor 4 des Salons muss dieselbe Friseurin mit € 1.500 Bruttolohn nun allerdings mindestens € 6.000 an Monatsumsatz machen (1500 x 4 = 6000). Sie hätte dann ein Tages-Soll von € 286,- (6000 : 21 = 285,71). Wenn sie das nicht schafft, bezahlen Sie als Chef einen Teil des Lohnes dieser Mitarbeiterin von Ihrem geplanten Gewinn. So werden Sie Ihr Ziel nicht erreichen.

Daran sehen Sie, wie wichtig die vorangegangenen Rechenschritte zur korrekten Ermittlung des tatsächlichen Lohnfaktors sind. Gehen Sie deshalb bitte niemals von einem pauschalen Lohnfaktor aus, sondern errechnen Sie immer den tatsächlichen Lohnfaktor Ihres eigenen Salons!

Haben Sie nun alle vier Schritte der Berechnung durchlaufen, dann sind Sie als Chef gut gerüstet. Mit derart handfesten Zahlen können Sie gut argumentieren in Lohnverhandlungen, Sie können abrechenbare Ziele mit Ihren Mitarbeitern vereinbaren und geldliche Anreize für Mehrleistung schaffen. So können Sie und Ihr Team nun gemeinsam Ihre Ziele in Angriff nehmen.“

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Praxis-Anleitung, Seminare und Hilfsmittel:

Guido Scheffler: “Vielen Dank für deine Erläuterungen, Peter. Du erklärst unseren Mitgliedern den Rechenweg ausführlich in unserer Praxis-Anleitung: “Wie Sie den Lohnfaktor Ihres Friseursalons selbst errechnen”. Dort gehen wir die einzelnen Schritte sehr anschaulich anhand der Zahlen eines echten Friseursalons durch. So kann am Ende jedes unserer Mitglieder den Lohnfaktor seines Salons und die Soll-Umsätze seiner Mitarbeiter selbst berechnen. Wenn unsere Leser zu diesem Thema noch Fragen haben, können sie sich dann bei dir melden?”

Peter Lehmann: “Ja, sehr gern. Sie können bei mir auch die Broschüre „Durchblick & Weitsicht – Mindestumsatzberechnung im Friseurhandwerk“ bestellen, mit der die Berechnung dieser Kennzahlen für Ihren Salon ganz einfach wird. Eine kurze Nachricht an mich genügt. Unter diesem Link finden Sie mein Kontaktformular, über das Sie mir eine Email senden können: http://www.unternehmenstraining.com/training/kontakt.html

Guido Scheffler: “Ausführlich behandelt Peter Lehmann das Thema übrigens in seinen BWL-Seminaren für Friseure. Termin-Infos gibt es auf seiner Website: www.unternehmenstraining.com