Beitrag

Ich bin Friseur und keine Maschine!

Seminar Friseur Motivation Mitarbeiter

© imageegami – Fotolia.com

Viele Friseure sind unglücklich in ihrem Job. Es mangelt ihnen an Anerkennung für ihre Leistung. Das Hamsterrad in unzähligen Salons dreht sich alltäglich um dieselbe Achse – immer und immer wieder. Lob vom Chef gibt es keins, weil der befürchtet, dass dann gleich nach einer Lohnerhöhung gefragt wird. Die eigene Leistung scheint eine Selbstverständlichkeit im eingefahrenen Salonalltag geworden zu sein.

Friseure wünschen sich mehr Wertschätzung und Respekt

Und so machen viele Mitarbeiter im Friseurhandwerk lediglich Dienst nach Vorschrift. Frust macht sich breit zulasten von Kreativität und Qualität. Sie gehen alltäglich mit Widerwillen zur Arbeit, die sie nur des benötigten Geldes wegen überhaupt noch machen. Zu wenig erscheint es ohnehin zu sein. Aber selbst eine Bezahlung oberhalb des Mindestlohnes kann oft nichts daran ändern, dass sogar langjährige Mitarbeiter irgendwann den Salon verlassen, um zu einem Konkurrenten zu wechseln.

„Meistens liegt es aber gar nicht am Geld, wenn Mitarbeiter kündigen“, sagt Peter Lehmann. Der Motivationsexperte meint, dass Chefs und Saloninhaber selbst Schuld daran sind, wenn ihnen die besten Mitarbeiter abspringen.

Lehmann weiß, worüber er spricht. Er hat den Friseurberuf von der Pieke auf gelernt und kennt ihn aus unterschiedlichsten Perspektiven: Als Azubi und Geselle, als Junior-Chef im Familienbetrieb, als Haarschneidetrainer auf der Bühne, als selbstständiger Friseurmeister mit eigenem Salon, als Bereichsleiter und als Geschäftsführer in größeren Filialbetrieben, als Unternehmensberater, als Leiter des Management Service Friseur der Wella AG und später des Management Competence Centers. Seit Oktober 2010 arbeitet er als selbständiger Trainer und Coach.

Peter Lehmann vertritt die Meinung, dass die meisten Friseurbetriebe viel erfolgreicher laufen würden, wenn der Unternehmer sich etwas mehr für die Motivation seiner Mitarbeiter einsetzen würde. Stattdessen fehlt es an Respekt und Wertschätzung. Doch mit ein paar Nettigkeiten kann man das als Chef nicht mal eben abändern. Es gehört schon einiges mehr dazu, das Personal eines Friseursalons erfolgreich und überzeugend zu führen.

Wie man erfolgreich motivieren und führen kann, erklärt Peter Lehmann in seinen Seminaren, die er speziell auf Friseursalons zugeschnitten hat. Im nun folgenden Interview gibt er uns einen wertvollen Einblick in sein Erfolgsprinzip. Er erläutert, wie es passiert, dass Friseure sich oftmals auf ihre reine Umsatzleistung reduziert fühlen – sich vorkommen, als wären sie nur eine Maschine, die gefälligst zu funktionieren hat…

Erfolgreich motivieren im Friseursalon

friseurmeister_peter_lehmannEin Interview mit Peter Lehmann,

Betriebswirt (HWK),

Friseurmeister,

Trainer,

Management-Berater

http://www.unternehmenstraining.com/

Seminar Friseur Motivation Mitarbeiter

© raptorcaptor – Fotolia.com

Woher kommt die Unzufriedenheit mit dem Friseur-Job?

Guido Scheffler: Ich möchte unser Gespräch mit einer Sache beginnen, die mir eine Friseurin aus unserem eigenen Salon erzählt hat. Sie hatte in ihrem ehemaligen Salon einmal einen Verbesserungsvorschlag gemacht. Die Salonleiterin sagte darauf zu ihr: „Du bist nicht zum Denken hier, sondern zum Arbeiten.“ Das ist doch ganz schön heftig, oder ist das etwa der Alltag in der Friseurbranche?

Peter Lehmann: Das so zu äußern ist schon ein starkes Stück. Wenn eine Führungskraft wie die erwähnte Salonleiterin so etwas sagt, dann hat sie sicher noch gar nichts kapiert. Leider ist mangelnde Wertschätzung der Mitarbeiter im Friseurhandwerk kein Einzelfall, auch wenn es verbal meist nicht so heftig zur Sache geht.

Fakt ist: 70 Prozent der Mitarbeiter machen nur noch Dienst nach Vorschrift. Das belegen statistische Untersuchungen. Die meisten Mitarbeiter erhalten zu wenig Anerkennung vom Chef. Sie fühlen sich ignoriert, unbeachtet und wie Maschinen auf ihre reine Arbeitskraft reduziert. In vielen Salons gilt es schon als Lob, wenn der Chef nicht meckert. Die Leistungen der Mitarbeiter werden oft als Selbstverständlichkeiten angesehen, und um ihre Meinung zu Salonangelegenheiten werden sie kaum gebeten.

Für unser Selbstwertgefühl brauchen wir Menschen aber die wohlwollende Rückmeldung der anderen Menschen um uns herum. Das ist ganz natürlich und beginnt schon im Kleinkindesalter. Ohne Unterbrechung setzt sich dieses grundlegende menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung und Respekt bis ins hohe Alter fort.

Dieses Bedürfnis will und muss natürlich auch im Job befriedigt werden. Anderenfalls werden wir unzufrieden, ja unglücklich. Wer mag schon gern unglücklich sein? Niemand. Also ziehen wir innere und äußere Konsequenzen, wenn wir keine Wertschätzung erfahren.

Friseurgesellen, die sich nicht mehr respektiert fühlen, haben keinen Bock mehr auf den Job, den Laden, den Chef. Die Folgen sind Antriebslosigkeit, innere Kündigung und früher oder später eben auch die tatsächliche, schriftliche Kündigung mit Wechsel zur Konkurrenz.

Seminar Friseur Motivation Mitarbeiter

© Robert Kneschke – Fotolia.com

Wie entstehen Zufriedenheit und Glück im Friseurberuf?

Guido Scheffler: Kaum jemand geht heute noch allein des Geldes wegen zur Arbeit. Die Menschen sind sich über die Einmaligkeit und Begrenztheit ihrer Lebenszeit bewusster denn je. Sie wollen nicht nur gut verdienen, sondern in ihrem Job auch glücklich sein. Schließlich verbringt man einen großen Teil seines Lebens bei der Arbeit.

Glückliche Mitarbeiter bringen bessere Leistungen. Das sollte doch auch für einen Chef nicht so schwer zu verstehen sein. Warum gibt es dann so viele Friseurgesellen, die in ihren Salons unglücklich vor sich hin vegetieren?

Peter Lehmann: Dass gute Arbeit auch gut bezahlt werden muss, ist selbstverständlich. Um jedoch im Job Zufriedenheit zu finden, bedarf es etwas mehr. Was das Bestreben nach Glück angeht, sind Friseure manchmal etwas unbeweglich. Vieles wird einfach hingenommen, statt es zu ändern. Das gilt für Mitarbeiter, die nur aus Angst nichts Besseres zu finden oder aus Bequemlichkeit im Salon bleiben. Und das gilt genauso für Chefs, die die Dinge einfach unkontrolliert laufen lassen, ohne einzugreifen.

Wenn in den Medien von einer nahenden Wirtschaftkrise die Rede ist, dann schlagen alle Saloninhaber vor Angst und Entsetzen die Hände über dem Kopf zusammen. Dabei können unzufriedene Mitarbeiter einen viel größeren Schaden für das Salongeschäft anrichten als jede Wirtschaftskrise dies je könnte. Doch davor werden einfach die Augen verschlossen – meist ebenfalls aus Bequemlichkeit. Wenn gute Mitarbeiter dann gehen, tragen meist die Chefs selbst die Schuld daran.

Dabei kann man die Dinge so einfach ändern, wenn man nur miteinander redet – und zwar regelmäßig. Gezielte Fördergespräche sind ein immens wertvolles Instrument für die Motivation der Mitarbeiter im Salon. Sie sollten regelmäßig auf dem Monatsplan von Führungskräften stehen.

Seminare Friseure Motivation Mitarbeiter

© Africa Studio – Fotolia.com

Ziele nicht diktieren, sondern vereinbaren!

Guido Scheffler: Ich weiß von einer Friseurin aus einem unserer Konkurrenzsalons, dass dort regelmäßig Zielgespräche durchgeführt werden. Die junge Dame hat einen recht großen Kundenkreis und damit einen für den Salon rentablen Monatsumsatz.

Von den trotzdem andauernd stattfindenden Umsatzauswertungen fühlte sie sich jedoch derart unter Druck gesetzt, dass schon ihre Gesundheit unter dem Stress litt. Jetzt hat sie dort gekündigt und in unserem Salon einen Arbeitsvertrag abgeschlossen, weil wir nicht ständig mehr Leistung fordern und es auch ansonsten viel freundschaftlicher bei uns zugeht.

Peter Lehmann: So darf es ja auch nicht laufen! Sicherlich ist der Umsatz eines Mitarbeiters eine sehr wichtige Größe für den Betrieb, aber eben nicht die einzige. Niemand mag das Gefühl, ständig kontrolliert zu werden. Erst recht nicht dann, wenn dies nur dem Zweck dient, Dauerkritik auszuüben oder die Umsatzziele des Mitarbeiters immer weiter in die Höhe zu schrauben. Dadurch entsteht ein immenser Leistungsdruck, den niemand auf Dauer verkraftet.

Das sollte auch nicht das Ziel solcher Gespräche sein. Das Ziel muss es sein, die Motivation zu heben und nicht den Druck zu erhöhen. Es geht darum, Ideen zu sammeln, Meinungen zu hören, Gemeinsamkeiten herauszustellen, sich einander besser zu verstehen. Bei besserer Motivation kommen bessere Umsätze doch (fast) von allein. Druck auszuüben, ist also definitiv der falsche Weg.

Ziele dürfen nicht diktiert sein, sie müssen vereinbart werden. Wenn Mitarbeiter mit dem Blick auf selbstgesteckte Ziele eigenverantwortlich arbeiten können, sind sie viel kreativer. Kreativität entsteht aus positiven Emotionen. Aus Druck aber entsteht Routine, Fließbandarbeit, Gleichgültigkeit und Resignation.

Verständnis entsteht durch Verstehen.

Peter Lehmann: Ich sage immer: Ein Mitarbeiter kann immer nur so gut sein, wie der Chef ihn lässt. In uns allen schlummert deutlich mehr Potenzial, als wir zeigen. Ich verstehe es als die Hauptaufgabe einer Führungskraft, das Potenzial der Mitarbeiter zu wecken und zu fördern. Wer das umsetzt, braucht sich über die Motivation keine Gedanken mehr zu machen.

Die meisten Mitarbeiter wollen sogar darüber informiert sein, wo sie stehen und wie ihre Leistung im Unternehmen bewertet wird. Sie wollen besser werden, sich entwickeln. Mitarbeiter brauchen also nicht nur Lob, sondern auch klare Hinweise auf Fehler und Verbesserungspotenzial – und das in wertschätzender Form.

Guido Scheffler: Stimmt! Ich habe beispielsweise festgestellt, dass viele Friseurgesellen ihre eigene Leistung enorm überschätzen. Viele denken, dass ihr Bruttoumsatz der Gewinn des Saloninhabers ist. Dass die Chefs sich stinkreich stoßen auf ihrem Rücken. Die haben keine Ahnung von der Kostenstruktur eines Friseursalons. Können sie ja auch nicht, wenn es ihnen niemand erklärt.

In verschiedenen Gesprächen habe ich es im Großen und Ganzen erreichen können, dass unsere Mitarbeiterinnen nicht nur um ihren eigenen Wert für unser Unternehmen wissen, sondern auch die unternehmerische Leistung – also die Leistung ihrer Chefs – mehr schätzen gelernt haben. Das hat einen richtigen Schub an gegenseitigem Verständnis gegeben.

Seminare Friseure Motivation Mitarbeiter

© Tyler Olson – Fotolia.com

Erfolgreiches Motivieren will geplant sein.

Guido Scheffler: Wie oft sollten nach deiner Meinung Einzelgespräche mit den Mitarbeitern im Salon stattfinden?

Peter Lehmann: Sind wir doch mal ehrlich! Die meisten Chefs rufen ihre Mitarbeiter doch erst dann zum Gespräch, wenn etwas schiefgelaufen ist und wenn es gar nicht mehr anders geht. Derartige Vier-Augen-Gespräche sind dann aber für Mitarbeiter und Chef keine angenehme Sache. Sie bewirken meist keinen Motivationsschub, sondern manifestieren ein unschönes Gefühl im Umgang miteinander, welches man beiderseits nicht mehr los wird.

Alle ein bis drei Monate sollten sich Mitarbeiter und Chef deshalb zusammensetzen für ein strukturiertes Fördergespräch. Dabei sollten die Abstände zwischen Gesprächen mit Kollegen, die gerade einen neuen Vertrag unterschrieben haben, kürzer sein als die Abstände zwischen den Rücksprachen mit den ‚alten Hasen‘.

Guido Scheffler: Ich gebe zu, dass solche Auswertungsgespräche nicht unbedingt meine Lieblingstätigkeit als Salonchef sind. Wie kann ich das ändern?

Peter Lehmann: Indem du es systematisierst. Wenn du ein festes System, einen Plan hast, nach dem die Dinge laufen, dann wird plötzlich alles ganz einfach. In meinen Power Talking Seminaren ist mir deshalb das wichtigste, dass das Gelernte auch gleich in die Praxis umgesetzt werden kann. So gebe ich meinen Teilnehmern alle wichtigen Bausteine an die Hand, die sie brauchen, um sofort selbst diese wohl wichtigste Seite des Salonmanagements anpacken zu können. (Infos gibt es hier: http://www.unternehmenstraining.com/training/fuehrungskraefte.html)

Schließlich sind es die Mitarbeiter, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Friseursalons entscheiden. In Zeiten wie diesen, wo treue Mitarbeiter mit guten Monatsumsätzen rar und damit noch wertvoller als früher geworden sind, muss die Beziehung zwischen Mitarbeiter, Chef und Salon auf ein noch festeres Fundament gestellt werden. Das geht nur durch Reden, Vertrauen und gemeinsame Ziele.

Und diese Ziele sollten unbedingt messbar und auch tatsächlich erreichbar sein. Mitarbeiter und Vorgesetzte müssen genaue Angaben vereinbaren. Mit unklaren, schwammigen Formulierungen kommt man da genauso wenig weiter wie mit zu hoch angesetzten Umsatzvorgaben. Auch muss festgelegt werden, bis wann Ziele erreicht werden sollen. Das Ganze am besten schriftlich.

Eines sollte man sich dabei aber immer vor Augen halten: Motivation entsteht nicht durch den Chef oder die Führungskraft. Die einzig wirkliche Quelle der Motivation steckt in jedem Mitarbeiter selbst. Druck von außen bringt also meist nichts. Wer aber das tut, was er wirklich will, der kann sogar Berge versetzen!

Schreibe einen Kommentar