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Friseur ist der geilste Beruf der Welt!

Mitarbeiter Azubis gewinnen Friseur

© gpointstudio – Fotolia.com

Ein Friseurmeister packt aus, wie er es anstellt, bessere Mitarbeiter und Azubis zu finden. Christian Funk ist Inhaber des Friseursalons „Haarchitektur“ in Lüneburg. Der erfahrene Friseurunternehmer erzählt von seinen Erlebnissen mit unsagbar dummen Bewerbern.

Er verrät uns, wie er mit sich selbst und seiner „Arbeitgeber-Arroganz“ ins Gericht gegangen ist, um seine Einstellung zu ändern. Schließlich hat er einen einzigartigen Weg gefunden, Azubis und Mitarbeiter für seinen Salon zu gewinnen.

Er kann Menschen für den Friseurberuf begeistern.

Christian Funk ist ein Paradebeispiel für alle Friseurunternehmer, die aus der tiefen Krise am Personalmarkt eine Chance für ihren eigenen Erfolg gemacht haben. Im Internet erlangte er als Initiator seines Haarchitektur-Blogs „Experten Tipps und Tricks vom Friseur“ Bekanntheit. Unter anderem nutzt er auch genau dieses Medium, um engagierte Mitarbeiter und Auszubildende für seinen Salon zu gewinnen.

Aber eigentlich nutzt er jede Verbindung, die sich ihm auftut, um den Kontakt zu potenziellen Mitarbeitern zu knüpfen und mit potenziellen Auszubildenden ins Gespräch zu kommen. So arbeitet er als Prüfer und Dozent für die Meisterschule Lüneburg, ist sich aber auch nicht zu schade, für kostenlose Schnupperkurse an der regionalen Hauptschule seiner Stadt.

Entscheidend für seinen Erfolg ist jedoch, wie er es tut – mit Liebe zum Friseurberuf und mit der Fähigkeit, andere Menschen dafür zu begeistern! Er ist ein Friseurunternehmer, wie er im Buche steht. Sein Salon läuft wie ein Uhrwerk, seine Mitarbeiter fühlen sich wohl und sind in höchstem Maße leistungsbereit.

Erfahren Sie alles über sein neues Bild von einem Friseur-Unternehmen zum Nutzen aller Beteiligten! Durch komplettes Umdenken hat Christian Funk erfolgreich auf den Rollentausch am Arbeitsmarkt reagiert. Er hat sein eigenes, geniales Erfolgsrezept für die Gewinnung der fähigsten Azubis und Mitarbeiter entwickelt.

Er begeistert potenzielle Auszubildende und Mitarbeiter, indem er den „Traumberuf Friseur“ wieder in die Realität zurückholt. Über den Nachwuchs an Personal braucht er sich so keine Sorgen mehr zu machen – Jammern hat er nicht mehr nötig…

Wie ein Friseur die besten Mitarbeiter und Azubis in seinen Salon zieht

friseurmeister_christian_funkEin Interview mit Christian Funk,

Friseurmeister und Unternehmer, Friseursalon „Haarchitektur“ in Lüneburg www.haarchitektur.de

Prüfer und Dozent in der Meisterschule Lüneburg,

Fachautor und Initiator des Haarchitektur-Blogs „Experten Tipps und Tricks vom Friseur“ http://www.haarchitektur.de/blog/

Manche Bewerbungsgespräche sind ganz „großes Kino“

Guido Scheffler: Die ganze Friseurwelt beklagt sich über Personalmangel. Welche Erfahrungen hast du in den Jahren deiner Selbständigkeit als Friseur mit Bewerbungen in deinem Salon gemacht?

Christian Funk: Mindestens einmal im Jahr startet bei uns im Salon das große Casting – genau immer dann, wenn wir unsere neuen Friseur-Auszubildenden suchen. In der Jury sitze ich als Saloninhaber zwar allein, aber trotzdem komme ich mir manchmal vor wie „der Dieter“. Die absurdesten und lächerlichsten Momente der TV-Casting-Show DSDS sind oft gar nichts zu dem, was ich bei Bewerbungsgesprächen im eigenen Salon erleben kann!

Vor ein paar Jahren hatten wir noch die Qual der Wahl. Da flatterten über hundert Bewerbungen pro Jahr in unseren Salon-Postkasten. Man hatte die größte Mühe, alle jene in die „Ablage P“ zu schieben, deren Nasenspitze einem gerade nicht gefiel.

Heute ist man schon heilfroh, wenn da überhaupt noch 10 bis 20 Bewerbungen reinkommen.

Guido Scheffler: Aber selbst das Potenzial derer, die sich für eine Ausbildung im Friseurberuf bewerben, ist doch extrem gesunken, nicht wahr? Bei vielen Bewerbungen in unserem eigenen Salon kann ich es regelrecht zwischen den Zeilen lesen: „Weil ich nix anderes kriege, will ich eben Friseur werden.“

Christian Funk: Das kenne ich nur zu gut. Zeugnisse, mit weit über 30 unentschuldigten Fehltagen, mit netten Einträgen zum Sozialverhalten, einem Notendurchschnitt, den man sich kaum vorstellen mag! Die Vorstellungsgespräche wie kuriose Comedy-Shows, nur zum Lachen waren sie eher selten.

Guido Scheffler: Ja, manchmal fragt man sich wirklich, wie solche Leute nur darauf kommen, sich bei einem Dienstleistungsunternehmen bewerben zu können. Gerade im Friseursalon mit seinem engen Kundenkontakt kommt es ja auf Vertrauen, Zuverlässigkeit, Einfühlungsvermögen – eben auf emotionale Intelligenz – an. Da grenzen solche Bewerbungen oftmals schon an schlechte Komik.

Christian Funk: Moment, Guido! Mit den „Live-Castings“ ist diese alljährliche Show ja noch längst nicht vorbei! Ich bekomme so viele Vermittlungsvorschläge vom Arbeitsamt, dass ich mir mit dem Papier meine gesamte Bude tapezieren könnte.

Beworben hat sich von diesen sogenannten „Bewerbern“ allerdings nicht eine arme Seele! Und wenn sich dann doch mal eine Kandidatin zu einem unverbindlichen Kennenlernen durchgerungen hat, dann erschien sie spätestens zum Vorstellungsgespräch NICHT – ohne vorherige Abmeldung, versteht sich!

Würde ich dir erzählen, was ich mit so manchem Bewerber schon erlebt habe, sei es nun zur Ausbildung oder als gelernte Arbeitskraft, du würdest es kaum glauben. Aber ihr habt ähnliches im eigenen Salon ja bestimmt auch schon erlebt.

Guido Scheffler: Klar, das hat sicher jeder Friseurunternehmer schon durch, der – wie wir auch – ständig gute Mitarbeiter sucht. Wir haben schon seit Jahren eine unbesetzte Stelle in unserem Friseurteam, aber ich muss zugeben, wir sind trotz der Situation weiterhin wählerisch geblieben.

Manchmal mussten wir allerdings unsere Erwartungen an die Bewerber schon ein kleines Stückchen herunterschrauben, um überhaupt jederzeit genug Personal für unseren recht großen Kundenkreis zu haben. Dadurch hatten wir uns schon das ein oder andere „faule Ei“ ins Nest geholt – Leute, die uns nur als Überbrückung oder Sprungbrett benutzten. Es ist zwar kein Trost, aber ich weiß, dass es auch unseren Mitbewerbern keinen Deut besser geht.

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Alle jammern, aber keiner ändert etwas!

Christian Funk: Schaue ich bei Facebook in die Friseurgruppen, beschleicht mich die traurige Gewissheit, dass ALLE Friseure Deutschlands heute Mitarbeiter suchen, aber kein Schwein welche finden kann.

Andererseits kotzen sich viele Mitarbeiter in denselben Foren über ihre Chefs und Betriebe aus, heulen über miese Bezahlung und schimpfen über äußerst schlechte Arbeitsbedingungen. Wieso finden da eigentlich nicht welche zusammen, deren Probleme sich gegenseitig kompensieren?

Guido Scheffler: Das stimmt! Die Friseurin, die im Web über die schlimme Ausbeutung und die schlechte Behandlung durch ihren Arbeitgeber jammert, könnte doch locker zu einem der zahlreichen Salons wechseln, die händeringend nach Personal suchen und sie zum Dank „auf Wolken betten“ würden.

Aber warum tut sie es nicht einfach, statt zu jammern? Warum ist sie denn so fürchterlich unbeweglich? Man hat ja fast den Eindruck, dass kaum einer in der Friseurbranche sein Schicksal selbst in die Hand nehmen will. Die meisten ergießen sich am liebsten in Meckerei und Selbstmitleid, ändern aber nix.

Bei dir ist das ganz anders, du meckerst nicht. Du bist ein Macher und deshalb führen wir ja auch dieses Interview.

Christian Funk: Ja, auch ich könnte erzählen, jammern und weinen, könnte schimpfen und schreien. Aber würde mir das wirklich weiterhelfen?

Ich habe mich schon vor langer Zeit mit den Gründen beschäftigt, warum die Bewerbersituation so ist, wie sie ist. Ich habe die Scheuklappen abgelegt und mich gedanklich mit der Situation beschäftigt. Versetzt man sich nämlich in die Lage eines adäquaten Bewerbers, dann wundert man sich plötzlich gar nicht mehr.

Mitarbeiter Azubis gewinnen Friseur

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Wie konnten wir nur vergessen, dass Friseur ein Traumberuf ist?

Guido Scheffler: Welches Bild vom „Friseur-Dasein“ tragen die meisten Menschen deiner Meinung nach denn in ihren Köpfen?

Christian Funk: Da gibt es zunächst mal den Mindestlohn zu nennen. Ja, Friseur ist ein „Mindestlohnberuf“! So titeln die Medien seit Jahren und nennen unsereins manchmal „Frisösen“. Frisösen sind ja bekanntlich die etwas bräsigen Blondinen, die mit Ach und Krach ihren Hauptschulabschluss geschafft haben und nichts anderes können als Haare machen. Klar gibt es die auch tatsächlich, aber letztendlich verdienen ALLE Friseure doch eher schlecht als recht.

90 Prozent der Leute buckeln für einen Hungerlohn bei den 10-Euro-Seelenverkäufern. Die armen Schweine müssen neuerdings ihren Mindestlohn 4,4-mal umsetzen, wie zum Beispiel beim großen Herrn K.! Was auf Dauer kaum zu schaffen sein wird.

Die meisten gehen dann in ihrer knappen Freizeit auch noch schwarz Haare machen und zum Amt, um so ihr gesetzlich verordnetes Gnadenbrot „aufzustocken“. So kann man einigermaßen über die Runden kommen – aber nur, wenn man einen Partner hat, der etwas mehr Geld verdient als man selbst. Das ist nicht immer die Realität, aber es ist die öffentliche, in den Medien immer wieder dargestellte, Meinung! Attraktivität sieht anders aus, oder?

Guido Scheffler: Tja, da muss man sich auch nicht wundern, wenn besorgte Eltern zu ihren Schützlingen sagen: „Kind, werd bloß kein Friseur!“

Christian Funk: Zurzeit will jeder der einen mindestens durchschnittlichen Realschulabschluss erzielt hat, alles andere werden, aber ganz sicher kein Friseur! Hinzu kommt der demografische Wandel, der gerade erst begonnen hat. In ein paar Jahren werden dann immer weniger junge Menschen zur Verfügung stehen, von denen immer noch weniger den Friseurberuf erlernen möchten. Und wenn wir „wirklich saudummen“ Friseure es nicht bald schaffen, unser Image zu verbessern, dann sieht es echt finster für uns alle aus!

Guido Scheffler: Und dabei ist der Friseurberuf doch einer der am meisten glücklich machenden Berufe, sagt eine Studie – vorausgesetzt man gerät an den richtigen Arbeitgeber. Leider werden in der Presse und im TV immer die Billiglöhner der großen Friseurketten als Maßstab für die Verhältnisse in der gesamten Friseurbranche vorgeführt. Das ist in meinen Augen ein völlig falsches Bild. Und dieses düstere Image hält sich nun schon seit dem Beginn der Mindestlohn-Diskussion.

In Wirklichkeit sollten Friseure, die durch ihren guten Umsatz einträglichen Gewinn für den Salon erwirtschaften, bereits überall mehr als den Mindestlohn verdienen. Wenn nicht, dann sind sie nur zu blöd zu wechseln. Guten Friseuren steht jetzt die „Welt“ offen! Die können sich jetzt den besten Arbeitgeber der Stadt aussuchen.

Ich frage mich, wann nur diese Schwarzmalerei wohl enden wird? Wann wird die Stimmung sich endlich wieder aufhellen, damit wir wieder mehr gute Bewerber haben? Was machen wir Friseure da falsch?

Christian Funk: Natürlich das, was alle falsch machen: Jammern, Schimpfen, Weinen und Klagen, und damit das Image des Berufes weiter in den Dreck treten. Das wird uns sicherlich allen aus der Krise helfen, oder? Ich für meine Person habe schon seit einiger Zeit umgedacht.

Ich war mir sicher, dass ich zuallererst bei mir selbst anfangen muss. Und so beschloss ich, diese überlebte „Arbeitgeber-Arroganz“ abzulegen. Vorbei sind die alten Zeiten, wo ich fettärschig in meinem Büro saß und die Bewerbungen der Dumpfbacken aussortierte. Die besten Kandidaten wurden dann großkotzig wie arme Bittsteller empfangen, weil die doch sooo gerne bei mir arbeiten, oder ihre Ausbildung beginnen wollten. So läuft das heute nicht mehr! Es wird Zeit, dass wir den jungen Menschen etwas bieten!

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Der Rollentausch am Arbeitsmarkt erfordert ein komplettes Umdenken.

Guido Scheffler: Man liest jetzt überall, dass nicht die Arbeitnehmer sich bei uns bewerben, sondern wir als Arbeitgeber sollten die Initiative ergreifen und uns quasi bei denen bewerben. Und zwar bei genau denen, die wir am liebsten im Salon haben würden. Die Rollen sind also praktisch vertauscht seit ein paar Jahren. Es gibt mittlerweile ein viel größeres Angebot an unbesetzten Friseur-Stellen, als es überhaupt noch arbeitswillige Friseure gibt.

Und dennoch kenne ich nur wenige Saloninhaber, die das Problem bereits verstanden haben – geschweige denn begonnen haben, es anzugehen. Du hast es getan. Warum ist ein solcher Schritt so wichtig in deinen Augen?

Christian Funk: Ja, ist es denn nicht dumm, darauf zu warten, dass sich Leute bei uns bewerben, die diesen „in den Abgrund geratenden Scheißjob“ machen müssen, weil er für sie eine Notlösung ist? Wenn wir so handeln, dann bekommen wir genau die Leute, über die wir so herzzerreißend schimpfen – das Fallobst aus den Randgebieten der Gesellschaft – eben jene, die wir eigentlich gar nicht wollen, die uns nicht weiter bringen, die wir aber verdient haben!

Ich bekomme mittlerweile auch nur noch zehn bis zwölf Bewerbungen im Jahr von ausbildungswilligen Menschen. Aber es sind zumeist gute Bewerbungen von jungen Leuten mit Herz und Potenzial. Hier ist dann kaum noch eine dabei, wie ich sie gerade beschrieben habe. Die Luschen trauen sich meistens gar nicht mehr, sich bei mir zu bewerben. Hier komme ich wirklich wieder in den Genuss, die Qual der Wahl zu haben, und kann, will und werde mich nicht beschweren.

Guido Scheffler: Nicht zu jammern dürfte allein aber auch nicht genügen, um bessere Mitarbeiter und Azubis anzulocken. Irgendetwas muss man dafür sicher auch unternehmen. Wie hast du es erreicht, dass du jetzt bessere Bewerbungen bekommst?

Christian Funk: Ich habe an meinem Image gearbeitet, indem ich meinen Azubis einen interessanten und erfüllenden Ausbildungsplatz biete. Ich stecke die Menschen mit meiner Liebe für den geilsten Beruf der Welt an und begeistere sie für die Arbeit als Friseur.

Zur Zeit habe ich sechs Azubis, eine besser als die andere. Es sind alle samt glückliche, strahlende, motivierte und erfolgshungrige, junge Menschen, die das gleiche Ziel verfolgen: Sie wollen ein erfülltes, erfolgreiches Berufsleben führen, in genau dem Beruf, zu dem sie sich berufen fühlen. Sie wollen mit Leib und Seele erfolgreiche Friseurgesellinnen werden.

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Funki’s geniales Erfolgsrezept für die Gewinnung der fähigsten Azubis und Mitarbeiter

Guido Scheffler: Aber finde erst mal solche Leute, die mit Herzblut bei der Sache sind und für den Beruf brennen! Das ist gar nicht so einfach. Wie genau hast du das angestellt?

Christian Funk: Ich stehe mit der Berufsfachschule, der Handwerkskammer und der Meisterschule im engen Kontakt. Hier verfüge ich über einen exzellenten Ruf. Den Lehrern der Berufsschule ist auch daran gelegen, dass ihre guten Schüler eine gute Berufsausbildung bekommen. Und diese Lehrer haben von all ihren Schülern schon viele Dinge über sämtliche Ausbildungsbetriebe der Region erfahren.

Was glaubst Du wohl? Dort werden die Salons der ganzen Gegend miteinander verglichen! Und genau diesen Vergleich gilt es zu gewinnen. Nicht umsonst stehen jedes Jahr ein oder zwei Mädels mit Bewerbungsunterlagen persönlich bei mir im Salon und sagen, dass sie von Frau oder Herrn Lehrer zu mir geschickt wurden. Ich weiß dann: „Aha, das ist wieder ein Perlchen!“

Guido Scheffler: Du hältst also Kontakt du den Lehrern der Berufsschule, zu den Ausbildungsberatern der HWK und zur Meisterschule, wo du ja selbst als Dozent lehrst. Und die empfehlen deinen Salon dann ihren besten Schülern.

Nun hat ja nicht jeder Friseurunternehmer von Anfang an gleich solche Connections. Das dauert ja sicher eine Zeit, bis man sich an den richtigen Stellen einen Namen gemacht hat. Wie hast du auf dich aufmerksam gemacht, als dein Salon als Ausbildungsbetrieb noch nicht so sehr bekannt war?

Christian Funk: Meine Azubis selbst waren schon immer meine besten Marken-Botschafter. Die haben mein gutes Image weitergetragen, und das tun sie noch heute.

Wenn die in der Schule erzählen, wie geil es ist, bei uns eine Ausbildung zu machen, dann spricht sich das im gesamten Freundeskreis, in der Schule und in den Familien herum. Solch eine Wirkung kannst du mit einer Zeitungsanzeige nicht annähernd erreichen.

Immer wieder höre ich von meinen Mädels, dass sie in der Schule zutiefst beneidet werden. Sie hören dann die schlimmen Geschichten der anderen Azubinen, die in ihren Betrieben nichts lernen aber schon nach drei Monaten den Kunden die Haare schneiden dürfen bzw. müssen! Oder andere, die außer Putzen und am Übungskopf rumfummeln nicht wirklich etwas Friseurtechnisches erledigen dürfen. Das sind deprimierte Friseur-Azubis, die im dritten Lehrjahr nichts anderes machen, als Köpfe zu waschen und Wimpern zu färben (oder ähnlich langweiligen Kosmetikkram) und den Rest nur an Modellen oder an der „Frau Plastik“ erledigen dürfen.

Guido Scheffler: Es ist wirklich eine Schande, wie manche Betriebe das Potenzial dieser jungen Menschen einfach so verkommen lassen und sie wie Aschenputtel behandeln! Die sollten doch froh sein, dass sie überhaupt Auszubildende bekommen haben, die den Beruf auch ehrlichen Herzens erlernen wollen.

Ich finde es Klasse, wie du über deinen Blog deine Andersartigkeit herausstellst, wie du damit direkt die richtigen potenziellen Azubis ansprichst, die auch zu deinem Salonkonzept passen, und ihnen Appetit auf eine Ausbildung in deinem Salon machst. Legendär ist hierzu ja deine Imagekampange „Offener Brief an meine zukünftigen Azubis“: (http://haarchitektur.blogspot.de/2014/09/offener-brief-meine-zukunftigen-azubis.html)

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Das neue Bild von einem Friseur-Unternehmen zum Nutzen aller Beteiligten

Christian Funk: Ja, es wird wirklich Zeit, dass wir uns wieder wertvoll verkaufen. Dass wir zeigen, wer wir wirklich sind. Dass wir weg wollen von billigen Preisen und schlechten Löhnen, den Menschen endlich wieder klar machen, wie wertvoll wir als Friseure für unsere Gesellschaft sind!

Wir müssen uns dazu eindeutig abgrenzen, von den Billigheimers und Menschenausbeutern. Nicht durch Arroganz und Überheblichkeit, sondern durch Begeisterung, durch Liebe zu unserem Beruf, durch Menschlichkeit und Wertschätzung unserer Mitarbeiter und gerade auch unserer Azubis! Friseur-Azubis, dürfen eben keine Mitarbeiter zweiter Klasse mehr sein!

Unserem Nachwuchs müssen wir mehr bieten, als nur ein weiteres Mitglied im „Club der Verlierer“ zu werden. Wir wollen sie schleifen zu strahlenden Edelsteinen, die unser „Andersdenken“ erlernen und weitertragen. Andere wollen wir mit diesen Idealen anstecken, formen und prägen.

Wir wollen sie fordern und fördern, sie mit verantwortungsvolleren Aufgaben belohnen und ihnen einen erfolgreichen Start in ihr Berufsleben ermöglichen. Weg von der „Frisöse“, weg von Klatsch, Tratsch und Trutschigkeit! Hin zu modernen, selbstbewussten und erfolgshungrigen Menschen, die gesegnet sind mit unternehmerischem Denken, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, dass sie nicht nur ihren Job erledigen, sondern alle selbst ein wenig selbstständige Unternehmer sind.

Sie sollen von ihrem Erfolg die Früchte ernten dürfen und ein erfülltes, erfolgreiches und gut bezahltes Berufsleben haben. Erst wenn wir es schaffen, unser Denken zu ändern, junge Menschen zu begeistern, zu führen und an unserem Erfolg teilhaben zu lassen, dann werden wir auch die Mitarbeiter erhalten, die wir wollen und dringend brauchen.

Guido Scheffler: Das war ein Klasse Statement von dir an alle Ausbildungsbetriebe im Friseurhandwerk! Dieses neue Bild von einem Betrieb, der den Bedürfnissen aller Teilnehmer – Kunden, Chef, Mitarbeiter und Azubis – gerecht wird, ist noch nicht in allen Unternehmerköpfen angekommen. Was würdest du denen zurufen wollen, die sich immer noch mehr an der Vergangenheit orientieren als an der Zukunft?

Christian Funk: Jammert ihr mal ruhig weiter! Sucht weiter mit selten blöden Anzeigen nach Mitarbeitern! Sitzt weiter großspurig in euren Büros und beschwert euch über die wenigen und dann noch miesen Bewerber! Ihr bekommt genau jene, die ihr verdient!

So bleibt dann mehr für mich und andere Friseurunternehmer, die sich Gedanken machen, die durch die Schulen tingeln, die Ausbildungstrainings für Hauptschüler abhalten (denn auch dort liegen viele Rohdiamanten), die auf Ausbildungsmärkten und Job-Börsen Rede und Antwort stehen, die sich positiv positionieren. Ich freue mich über die tollen Bewerber, die ihr mir unangetastet überlasst. Ich beschäftige mich gern mit ihnen, setze mich gern freundschaftlich mit ihnen auseinander, höre ihnen zu und lerne von ihnen.

Will ich die Jugend erreichen, muss ich ihre Sprache verstehen und sprechen können. Ich muss sie schätzen und darf nicht der Meinung sein, dass die Jugend von heute nichts mehr taugt. Denn das ist nicht so! Mit Ablehnung erreicht man wieder Ablehnung, und diese macht ziemlich unattraktiv.

Nun ist es an euch, etwas zu ändern. Es liegt in eurer Hand, euch zu bewegen, zu lernen und anders zu denken. Euch zu bewerben bei euren zukünftigen Mitarbeitern und Azubis. Viel Erfolg!

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