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Wir Friseure, unsere Preise und unsere Zukunft

Uns erreichte ein Leserbrief eines deutschen Friseurunternehmers aus Südspanien als Reaktion auf unser neues Fachbuch „Erfolgswissen für Friseure“. Dieser Brief enthält einen echten Mehrwert für deutsche Friseure: Einen Erfahrungsbericht über die Entwicklungstendenzen der Friseurbranche in verschiedenen Orten dieser Welt.

Wird auch den deutschen Friseuren bald ähnliches widerfahren, wie den Peluquerias in Spanien oder den Hairstylisten von NewYork? Ist es vielleicht schon längst auch bei uns so? Lesen Sie selbst, welch interessanten Bericht ein Weltmensch mit Friseurblick uns dazu aus seiner Sicht schrieb!

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Friseure, Preise, Mindestlohn, Meistertitel

© Peter J. Beck

Leserbrief über die Preise der Friseure

„Hallo Herr Scheffler,

zuerst einmal möchte ich mich vielmals für Ihr sehr gutes Buch bedanken. So viel Informationen und dann auch noch kostenlos. Vielen Dank. Ich werde auch die folgenden Bücher kaufen.

Ich habe das Buch schon seit Januar und wollte Ihnen längst dazu schreiben. Aber ausführlich. Und das habe ich bis jetzt vor mir hergeschoben. Aber ich habe das Buch einfach als Ideenquelle auf mich wirken lassen und kann Ihnen sagen, dass es mir viel hilft.

Statt mich zum Buch wichtig zu machen, möchte ich Ihnen etwas zur Friseur-Szene schildern, wie ich sie lang beobachtet habe und kenne.

Ich selbst bin seit vielen Jahren Werbetexter (Redakteur-Ausbildung, später auch Redakteur bei BILD, Werbekaufmann, Direktmarketing-Fachwirt) und schreibe für einen großen deutschen Finanzverlag Direktmarketing-Verkaufskampagnen. Ich komme also ein wenig herum in der Welt, durch die ich mit offenen Augen und dem Blick eines Friseurunternehmers gehe.

Warum ich das tue? Das ist schnell erklärt: Um einer damaligen kolumbianischen Freundin (Bild oben) zu helfen, gründete ich mit ihr vor acht Jahren einen Friseursalon in Marbella (Spanien). Heute sind wir verheiratet. So bin ich quasi selbst Mitinhaber eines Friseursalons geworden.

Friseure, Preise, Mindestlohn, Meistertitel

© Peter J. Beck

Die Situation in Marbella (Spanien):

Man bekommt heute nur noch schwer einen guten Herrenhaarschnitt. Marbella ist überflutet von Billigsalons. Meine Frau verlangt für einen Herrenhaarschnitt 12 Euro. Salons im Zentrum von Marbella verlangen nur 7 oder 8 Euro. Im benachbarten Fuengirola verlangen Chinesen lediglich 5 Euro!

Die zwei Filialen von „Toni und Guy“ in Marbella Zentrum und im Marbella-Luxushafen Puerto Banús sind schon vor acht Jahren verschwunden. Auch die meisten Friseur-Boutiquen von kreativen Einzelfriseuren gibt es nicht mehr.

Der Markt wird überschwemmt von in nur einem Jahr ausgebildeten Nachwuchskräften. Meist sind das Mädchen, die die Zeit von der Schule bis zur Schwangerschaft mit einer angenehmen Arbeit überbrücken wollen. In jedem spanischen Familien-Clan ist mindestens ein Mädchen, das im Ein-Jahres-Kurs Friseurin lernt. Viele kommen vom Lande und verdienen sich dann später ihr Geld damit, dass sie schwarz im Dorf, oder hin und wieder als Aushilfe in der Stadt, arbeiten.

Unser Friseursalon (Bild) liegt in einem Villengebiet am Rand von Marbella. Nahe am Meer, drei Hotels in direkter Nähe, ein großer Campingplatz gleich gegenüber. Aber das Geschäft läuft wie bei wohl allen Friseursalons hier eher zäh. Die Touristen sind geizig geworden und wollen sparen.

Gutes Geld bringen hauptsächlich Madrileños, die hier Zweithäuser haben. Diese reichen Madrileños (Großstädter aus Madrid) sind die Traumkunden für jeden Salon hier. Die kommen normalerweise außerhalb der Juli-August-Saison, weil sie bisher in dieser Saison ihre Appartements und Villen zu äußerst hohen Preisen an Touristen vermieten konnten. Mit den Mieteinnahmen finanzierten sich die Madrileños dann ihre Urlaubsflüge nach Florida, Panamá und andere spanischsprachige Länder, wo sie auch schöne Immobilien haben (und wo bei der Steuer nicht so streng hingeschaut wird).

In diesem Jahr klappte das mit der Vermietung der Urlaubsimmobilien jedoch noch schlechter als im letzten Jahr. Die Touristen zahlen die hohen Preise nicht mehr. Spanische Touristen schon gar nicht. Also wohnen die reichen Madrileños jetzt im Sommer selbst in ihren Costa-del-Sol-Immobilien und fliegen nicht nach Lateinamerika. Sie sehen das an den Automassen in den Straßen. Alles spanische Kennzeichen. Allerdings klagen viele Geschäfte und Restaurants dennoch über mickrigen Umsatz, weil auch die reichen Spanier aus dem Norden sparen. Na ja, wenigstens lassen sie sich die Haare schneiden. Aus diesem Grunde geht es den Friseur-Salons hier an der Costa del Sol im Moment gerade ein klein wenig besser als in den Vorjahren.

Ich schreibe Ihnen das alles einfach einmal, weil es Sie vielleicht interessiert. Mein Respekt vor Friseuren hat sich komplett auf einer Friseur-Messe vor rund acht Jahren in Madrid gefestigt. Da waren Künstler am Werk. Männer und Frauen, die zu Recht stolz auf ihren Beruf waren.

Ich besuchte auf dieser Messe auch einen Marketingvortrag. Hauptaussage war, dass ein Friseursalon eine Wellness-Oase sein sollte. Die Kunden kämen in erster Linie, weil sie sich für einige Zeit wohlfühlen wollten. Na ja, aber die wollen auch jeden Euro sparen, oder?

Der belgische Friseur, der uns seinen Laden in Marbella vor knapp acht Jahren vermietete, konnte sich damit eine Villa in Marbella finanzieren. Heute ginge das nicht mehr.

Aber sieht’s woanders besser aus?

Friseure, Preise, Mindestlohn, Meistertitel

© tomalu – Fotolia.com

Das sah ich in den USA:

Ich bin Fan von „Samy aus Miami“. Immer wenn ich in Miami South Beach (USA) bin, schaue ich bei Samy vorbei. Meist ist der Laden leer.

Vor rund 10 Jahren gab es in South Beach einen scheinbaren Edelsalon mit superteuren Preisen. Die Preise reichten von 45 Dollar als Basispreis bis zu „ab 198 Dollar“ für die Behandlung durch den „Creative Director“. Ich sah diesen Salon nur einmal. Als ich im nächsten Jahr wiederkam, war er weg.

Was glauben Sie, was der Friseur beim Carlton-Hotel in der Madison-Avenue in New York für den Herrenhaarschnitt verlangt? Also an einem der teuersten Orte der Welt! Mitten in Manhattan! Ringsum größte Werbeagenturen, Verlage, Redaktionen, Rechtsanwaltskanzleien! Ein paar Schritte weiter das weltgrößte Kaufhaus „Macy’s“! Na, was denken Sie?… Halten Sie sich fest… 17 Dollar! Das sind in Euro 12,50!

Ich habe zwei Jahre hintereinander hingeschaut. Der Friseursalon verlangt für einen Herrenhaarschnitt wirklich nur 17 Dollar. Und immer wenn ich hingeschaut habe, war er leer. Immer sah ich einen Friseur für mich unsichtbare Haare fegen. Ich traute mich nicht zu fragen, wie er wohl überlebt.

Den einzigen, offensichtlich gut laufenden US-Friseursalon sah ich in Boca Raton (USA). Dieser außen und innen einfach gehaltene Salon ist umringt von Bürohochhäusern. Es ist ein mittelgroßer Salon mit rund 30 (oder noch mehr!) winzigen Friseurabteilungen, die größtenteils vermietet waren an selbständige Friseurinnen. Und fast jede Friseurin in dieser riesigen Bienenwabe hatte einen Kunden vor sich, als ich dort war.

In Kolumbien beobachtete ich diese Situation:

In den Wohngebieten am Rand der großen Städte gibt es auf hundert Metern Straße mindestens drei Friseursalons. Meist sind die in einem Zimmer im Erdgeschoss des Wohnhauses oder in der Garage nebenan. Ein Herrenhaarschnitt kostet um die zwei Euro.

Na ja, einige Friseure machen ein gutes Geschäft. Ich bin mit einem Friseur in einem Randwohngebiet von Ibagué befreundet. Dessen Laden ist fast immer voll. Und da er sehr wenig Miete zahlt, verdient er kaum weniger als wir hier in Marbella.

Im Urlaubsort Melgar, 98 Kilometer südwestlich von Bogotá (Kolumbien), beobachtete ich dasselbe wie in Marbella (Spanien): Die früheren Friseur-Boutiquen mit äußerst engagierten Friseuren sind verschwunden – oder besser gesagt ersetzt – durch Billigläden.

Friseure, Preise, Mindestlohn, Meistertitel

© Nejron Photo – Fotolia.com

Und wie ist es in Deutschland?

Es gibt unzählige Parallelen in der Entwicklung der Friseurbranche zwischen diesen Ländern. Solang der Meistertitel in Deutschland noch erhalten bleibt, mag es in Deutschland eine gewisse Art von „Bremse“ geben. Allerdings müssen Saloninhaber sich unbedingt schon jetzt mehr Gedanken über ihr Marketing machen, um auch in Zukunft bestehen zu können. Die Entwicklung, die anderswo in der Welt bereits sehr auffällig zu beobachten ist, wird wohl auch vor Deutschland nicht Halt machen.

Große Chancen sehe ich für Friseure mit cleverem Direktmarketing (Kundendatenbank, personifizierter Email-Newsletter usw.) und mit einem außergewöhnlichen Service, den andere Friseure nicht bieten (besondere Produkte, vielleicht Naturprodukte, besondere Zusatzdienstleistungen und immer wieder überraschenden Ideen für die Kunden).

So, das sind meine Gedanken zum Thema, Herr Scheffler, als kleines Dankeschön für Ihr tolles Fachbuch und Ihre gute Arbeit.

Mit freundlichen Grüßen

Peter J. Beck“

Peluquería Noralba im Marbella-Stadtteil Marbesa Telefon: 0034 618 653 224

Wir bedanken uns recht herzlich für diesen interessanten Leserbrief. Wenn Sie das erwähnte Fachbuch noch nicht haben sollten, so können Sie es überall im Buchhandel kaufen, oder es im Internet bestellen. Klicken Sie hier für einen kosten losen „Blick ins Buch“ bei Amazon: „Erfolgswissen für Friseure Teil 1“! Und schreiben Sie uns bitte, wie Ihnen das Fachbuch gefallen hat! Wir freuen uns sehr auf Ihre Meinung.

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