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Preiserhöhung oder nicht? – Entscheidungshilfe für Friseure

Preise Friseur Preiserhöhung

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Ob bei der Einführung des Euro, bei der Mehrwertsteuererhöhung, beim Kommen des Mindestlohns oder bei der stetigen Verteuerung der Energiepreise – ein Thema beherrscht immer wieder die Friseurbranche: Die Angst vor den Folgen einer Preiserhöhung.

Viele Friseure haben aus Furcht vor Kundenverlust oftmals über viele Jahre mannhaft ihre niedrigen Preise verteidigt und lieber Gewinneinbußen hingenommen.

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Warum haben Friseure Angst vor Preiserhöhung?

Viele Salons hatten im Januar 2007 nicht den Mut, die Mehrwertsteuer-Erhöhung auf Ihre Kundschaft umzulegen. So mancher Friseur in den neuen Bundesländern akzeptierte seit August 2013 schrumpfende Gewinne, damit er seinen Gesellen den laut Tarif steigenden Mindestlohn zahlen konnte. Von stets steigenden Materialkosten, Mieten und Energiekosten ganz zu schweigen. Warum trauen sich viele Friseure nicht, zusätzliche entstehende Kosten über höhere Preise einfach an die Kunden weiterzureichen?

Preiserhöhungen umsetzen zu müssen, ist für die meisten Friseure ein Graus. Von einer Kundin zur Rede gestellt zu werden und eine Preiserhöhung erklären zu müssen, ist eine Horror-Vorstellung für Mitarbeiter und Saloninhaber gleichermaßen. Sie werden doch schließlich als Freund ihrer treuen Kunden geliebt, und das soll doch auch so bleiben!

Weil man sich nicht rechtfertigen möchte, lässt man die Preise eben einfach wie sie sind – ohne nachzudenken, was man damit anrichtet. So nimmt man lieber einen immer geringer ausfallenden Gewinn in Kauf, als zu riskieren, Kunden an die Konkurrenz zu verlieren.

Manche Saloninhaber merken erst Jahre später, dass sie ja kaum noch mehr Geld verdienen als ihre eigenen Mitarbeiter. Das hat doch mit Unternehmertum nichts mehr zu tun! Das ist pure Feigheit gepaart mit mangelndem Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten!

Nicht ein Belassen alter Preise, sondern eine stetig aufwärts gerichtete Preisentwicklung ist doch die Normalität hierzulande. Die Entwicklung geht immer nur in eine Richtung – nämlich nach oben. Langfristig gesehen steigen die Verbraucherpreise seit nach dem Krieg bis zum heutigen Tage stetig an. Das ist wohl eine Gesetzmäßigkeit unseres Wirtschaftssystems. Alles um uns herum wird stets und ständig teurer. Das wissen auch unsere Kunden! Aber die sagen es uns Friseuren natürlich nicht, denn sie sind ja nicht so dumm, sich ihren eigenen Preis zu versauen. 😉

Und so wird im Salon kräftig gemeckert auf die bösen Preistreiber, die für ihre Waren und Dienstleistungen immer mehr Geld verlangen – Früher war immer alles besser! Ein Friseur, der auf dieses Gejammer seiner Kunden einsteigt, hat wohl vergessen, dass auch er bald seine Preise nachziehen muss, um weiterhin existieren zu können.

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Durch zu geringe Preiserhöhung geht Ihr Geschäft kaputt.

Hierzu sollten Sie eines wirklich wissen: Kein Kunde – sei er oder sie auch noch so nett – wird es Ihnen jemals danken, wenn Sie über Jahre hinweg Ihre Preise stabil halten und alle Erhöhungen von Steuern, Energie- und anderen Kosten aus eigener Tasche bezahlen. Irgendwann werden Sie dann kein Geld mehr für nötige Investitionen haben. Dann wird die Aufrechterhaltung Ihres Salonbetriebes plötzlich zu einer unbezahlbaren Aufgabe für Sie.

So werden Sie dann genötigt sein, die Preise auf einen Schlag erheblich anzuheben, um überhaupt noch weitermachen zu können. Genau in dieser kritischen Situation, wenn Ihnen das Wasser bis zum Hals steht, werden Ihnen Ihre vermeintlich so treuen Kunden scharenweise weglaufen! Die Kunden werden empört sein über den großen Preissprung und werden vermuten, dass Sie sich auf ihrem Rücken wieder gesundstoßen wollen.

Die Preise über mehrere Jahre nicht zu erhöhen, ist also definitiv der falsche Weg. Die Frage ist eben nicht, „ob“ eine Preiserhöhung gemacht werden muss, sondern „wie“ sie gemacht werden muss!

Ihre Kunden müssen Preiserhöhungen finanziell verkraften und psychologisch annehmen können, sonst bleiben sie aus. Das beste wäre es also, wenn Sie Ihre Kunden in geeigneter Form darauf vorbereiten könnten.

In unserem Beitrag „Preiserhöhungen im Friseursalon mit Köpfchen umsetzen“ erklären wir Ihnen ganz ausführlich, warum, wann, wie oft und um wie viel Sie Ihre Preise erhöhen müssen, damit Sie keinen Gewinn verschenken. Wir erläutern dort auch, wie sie bei Preiserhöhungen handeln, um es sich nicht mit Ihren Kunden zu verscherzen.

Preiserhöungen umsetzen ist nicht schwer

Für einen Salon, der sich nicht dem Billigpreis-Konzept verschrieben hat, sollten Preiserhöhungen viel einfacher umsetzbar sein als für einen Preiskonzept-Salon. Glücklich sei also der Friseur-Unternehmer, der sich von preisgebundenen Salonkonzepten fern gehalten hat.

Eigentlich müssten doch nur die Billigsalons – besonders jene mit Festpreis-Konzepten, wie z.B. 10-Euro-Salons – vor Steuererhöhungen, Tariferhöhungen und anderen Kostensteigerungen Angst haben. Eine moderate Preisanpassung ist in solchen Salons nämlich nicht möglich. Der Preis ist hier konzeptionell vorgegeben und schließlich will man ja einer der billigsten Salons am Ort bleiben, das ist ja der Kern des Konzeptes. Alle Gewinneinbußen, die aus zyklischen Kostenerhöhungen resultieren, müssen also entweder hingenommen oder mit Kosteneinsparungen (leider auch beim Mitarbeiterlohn) ausgeglichen werden.

Bringen Sie deshalb unbedingt System in Ihre Preispolitik! Sie sind doch kein Preiskonzept- oder Billig-Salon? Dann nutzen Sie doch Ihre Möglichkeit der flexiblen Preisgestaltung aus, um eine systematische Preisentwicklung zu betreiben! Regelmäßige kleine Preisanpassungen, die keinem Kunden wirklich wehtun, sind die Lösung. Nur so können Sie Ihre Stammkunden bei Laune und Ihr Einkommen als Saloninhaber auf einem beständigen Niveau halten. Damit sichern Sie letztlich auch die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter.

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Mitarbeiter und Kunden wollen verstehen warum

Ihren Mitarbeitern müssen Sie das allerdings richtig erklären. Von allein verstehen die wenigsten Friseurgesellen den wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Preisen, Umsatz und Lohnhöhe. Ich kenne sogar einige Friseurmeister (in abhängiger Beschäftigung), denen diese Logik fremd ist. Anscheinend wurde es in der Meisterschule nicht deutlich genug gesagt, dass Löhne und Gewinne nur steigen können, wenn dies auch jemand bereit ist zu bezahlen.

Dieser Jemand ist aber nicht der Unternehmer, der sein Geld in den Laden bereits investiert hat, und auch nicht der Staat, der uns den Mindestlohn und so manche Steuererhöhung verordnet hat. Es ist der Kunde! Der Saloninhaber gibt lediglich einen Teil des Geldes, das die Kunden im Salon lassen, an seine Mitarbeiter weiter.

Ohne diese Einnahmen von den Kunden also würde der Unternehmer keine Löhne zahlen können. Wenn die Löhne sogar steigen sollen, dann müssen dies auch die Einnahmen tun. Woher soll das Geld denn sonst kommen? Und hier schließt sich der logische Kreis zu den Preisen hin:

Die Kunden sind nämlich die eigentlichen Geldgeber des gesamten Salonteams. Niemand anders als die Kunden zahlen über den Preis auch das Einkommen der Mitarbeiter und des Chefs sowie alle anderen laufenden Kosten des Salons.

Unternehmer und Mitarbeiter sitzen diesbezüglich also in einem Boot. Die einen an den Rudern und der andere am Steuerrad. Getragen werden wir alle von einer Welle zahlungsbereiter Kunden. Ebbt die Welle ab, läuft der Kahn auf Grund. Sie müssen Sie Ihre Preise vernünftig gestalten und kommunizieren, um sich Ihre „Kundenwelle“ zu erhalten.

Erklären Sie das Ihren Mitarbeitern! Und erklären Sie ihnen auch, wie einem um Erklärung bittenden Kunden die Gründe der Preiserhöhung am verständlichsten darzulegen sind! Schließlich müssen die Kunden verstehen, warum sie mehr zahlen müssen. Ihre Mitarbeiter als Kontaktperson der Kunden müssen es erklären können.

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Gehen Sie Preiserhöhungen systematisch an!

Stellen Sie sich folgende Fragen zur Umsetzung der Preiserhöhung in Ihrem Friseursalon:
  • Wie hoch genau muss unsere regelmäßige Preiserhöhung sein, um steigende Kosten gleichmäßig abzufangen?
  • In welchen zeitlichen Abständen sollten wir unsere Preise erhöhen? Und wann ist der psychologisch beste Zeitpunkt für eine Preiserhöhung?
  • Was tun wir, wenn ein vergleichbarer Salon um die Ecke dann billiger ist als wir?
  • Wie können wir unsere Preise psychologisch vorteilhaft für unsere Kunden gestalten? Sollten wir Schwellenpreise oder glatte Preise anbieten?
  • Mit welchen Worten können wir es unseren Kunden am besten sagen, dass sie ab jetzt mehr bezahlen müssen? Und wie wecken wir absolutes Verständnis für die Preiserhöhung bei unsere Kunden?

Lesen Sie die Antworten auf all diese Fragen in unserem ausführlichen Beitrag „Preiserhöhungen im Friseursalon mit Köpfchen umsetzen“!

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