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Ausbildungspflicht im Friseurhandwerk

Ausbildungspflicht für Friseurbetriebe

Was waren das für Zeiten, in denen wir selbst noch jeden Tag „rumkommandiert“ wurden. Kaffee bringen, sauber machen und Handtücher zusammenlegen. Natürlich bilden wir uns heute ein, dass damals als Lehrling die Zeiten härter waren. So wie unsere Lehrmeister dies auch über ihre Zeit als Lehrling behauptet hatten. Okay, vor 100 Jahren war es noch an der Tagesordnung, dass ein Meisterbetrieb sogar noch Geld dafür bekam, wenn er einen Lehrling in seinem Fach ausbildete. Für manche eine veraltete Betrachtungsweise, aber dennoch auch vom heutigen Standpunkt gesehen, absolut logisch. Denn so wie der Friseur für seine Dienstleistung Geld vom Kunden bekommt, so erhält doch der Lehrling eine Dienstleistung vom Meisterbetrieb - nämlich das Erlernen des Friseurberufes, einer feinmotorischen Tätigkeit die viel Übung, Fleiß, Wissen und Erfahrung erfordert. Wir wollen hier nicht dafür plädieren, das Lehrlingsgehalt zu senken oder gar abzuschaffen. Schließlich ist dies ja ein sozialer Fortschritt. Dennoch soll uns dies einfach einmal verdeutlichen, in welchem Dilemma sich ausbildungswillige Friseurbetriebe heute befinden.

Noch nie wurden so hohe Lehrlingsgehälter gezahlt wie heute in vielen Tarifgebieten. So hohe Nebenkosten wie heute (Sozialabgaben, Prüfungsgebühren usw.) standen der Berufsausbildung auch noch nie vorher als Hindernis im Wege. Wenn ein Friseurlehrling durchschnittlich 300 Euro brutto im ersten Lehrjahr auf seinem Lohnstreifen sieht, so kostet dieser Lehrling den Betrieb in Wahrheit fast das Doppelte. Hierbei sind nicht nur die erwähnten Ausgaben gemeint, sondern auch die investierte Zeit der Friseurmeister oder auch der Gesellen für einen Lehrling. Zeit, in der ein Betrieb seine Kunden nicht bedienen kann. Und das obwohl er im knallharten Wettbewerb auf jeden noch so kleinen Umsatz angewiesen ist. Die Folge: Immer weniger Zeit für die Ausbildung und immer schlechter ausgebildete Friseure. Auch wenn es selbstverständlich Friseure mit einem guten Abschluss gibt, ist der Beruf in den letzten Jahren immer zweitklassiger geworden. Für die einen geht zwar ein Wunschtraum in Erfüllung, für die anderen ist dies bloß eine Alternative zum Nichtstun. Mehr, als seinen Kinderpuppen die Haare zu machen, scheint es wohl nicht zu sein? Immer weniger Friseurbetriebe haben Glück mit selbstbewussten und motivierten Lehrlingen. Viele Friseurunternehmen können sich Lehrlinge nicht einmal mehr leisten. Nur größere und nach außen professioneller wirkende Friseure, die dadurch auch finanziell besser gestellt sind, haben da mehr Glück. Es ist doch auch klar, dass ein junger Mensch, der wirklich im Friseurberuf erfolgreich sein will, sich nicht im Tante-Emma-Friseur um die Ecke bewirbt. Aber wer weiß, vielleicht kümmert sich auch gerade dieser Friseur etwas eingehender um einen Lehrling als die großen der Branche. Das bessere Auswahlverfahren haben jedenfalls die Betriebe, die genug Zeit und Geld aufbringen können, ein solches überhaupt durchzuführen. Allein wer mehr Übungsabende, Seminare, Events veranstalten kann und es dadurch schafft, den Druck auf einen Lehrling zu erhöhen, mehr zu tun als nötig ist, kann einen besseren Gesellenabschluss garantieren. Kleinere Friseurbetriebe verzichten jedoch lieber auf Lehrlinge, als einen schlechten einzustellen. Oder sie würden schon gerne einen Azubi einstellen, können sich aber eine Ausbildung schlicht und einfach nicht leisten.

Hier ist also der Staat in der Pflicht, die Dinge zu regulieren. Gesetze sollten Unternehmer entlasten, die den Mut hatten, sich selbständig zu machen und Arbeitnehmer einzustellen. Aber anstatt dass der Staat nun den Druck auf die Friseurunternehmen senkt, droht er mit neuen, erpresserischen Mitteln. Der Vorschlag, eine Pflicht zur Lehrlingsausbildung einzuführen, ist wohl als Hohn des Ganzen zu betrachten. Es gibt genug Friseurbetriebe, die dann lieber die Strafe bezahlen würden, anstatt sich der freien Entscheidung über die Mitarbeiterauswahl in ihrem Unternehmen berauben zu lassen. Wäre es vor diesem Hintergrund nicht fairer und schlauer, ausbildende Betriebe zu belohnen anstatt nicht ausbildende zu betrafen? Sicher! Aber unserem Staate fällt es anscheinend leichter, mit hohem Verwaltungsaufwand Millionengelder an Strafen zu kassieren, als mit weniger Aufwand die Ausbildungsbetriebe für Ihre Leistung zu belohnen. So wird unter dem Deckmantel von Wortverdrehungen wie „Ausbildungsabgabe“, „Ausbildungsplatzumlage“, „Azubi-Abgabe“, „Ausbildungsumlage“, „Lehrstellenumlage“ oder sogar „Berufsausbildungssicherungsabgabe" versucht, diese weitere Abzocke der Unternehmen in Deutschland schön zu reden. Viele Wirtschaftsinstitutionen (z.B. BDA, ZDH, ifo-Institut) kritisieren entsprechende Pläne der Regierung. Bleibt der Deutschen Wirtschaft nur zu wünschen, dass die Ausbildungspflicht für Friseurbetriebe ein Hirngespinst bleibt.

Autoren: Sebastian Fütterer (www.whocomesfirst.eu) und Guido Scheffler (www.dannys-salon.de)

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